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Wenn das (Anwalts-)glück in den Sternen steht

Wenn das (Anwalts-)glück in den Sternen steht
©Sergej Seemann, stock.adobe.com

Viele ⭐⭐⭐⭐⭐ für den Anwalt: So sieht man es gern, wenn ein Mandant auf einem Anwaltsportal sein Feedback hinterlässt, nachdem er juristisch beraten wurde. Es ist die mächtige Empfehlungswährung der digitalen Ära, die auch Anwälte unterstützt, neue Mandate zu akquirieren. Aber oft klickt und schickt die Maus des Rechtsuchenden nur ein oder zwei Sterne in den Profilhimmel. Und negative Anmerkungen stehen auch noch da, die deutlich signalisieren: Ja, ich war so richtig unzufrieden, werter Anwalt. Geschieht das wiederholt, hat der Jurist ein Problem. Wie geht man damit um?

Viele Anwälte tummeln sich mittlerweile auf Anwaltsportalen im Internet. Darunter Anbieter wie anwalt.de, Advocado oder frag-einen-anwalt.de. Die Robenträger versprechen sich davon mehr Mandate, stellen ihre Qualifikationen und rechtlichen Schwerpunkte vor und publizieren juristische Fachbeiträge.

Patrick Prior ist viel unterwegs. Sein Unternehmen Advotisement berät Anwälte und Kanzleien, die sich mit digitalen Strategien auf dem Rechtsdienstleistungsmarkt behaupten wollen. Auch Prior beobachtet, dass viele der von ihm beratenden Anwälte auf den Portalen registriert sind. „Deren Erfahrungen sind unterschiedlich“, so der Berliner Kanzleiberater. „Die einen generieren mehr Mandate, die anderen wiederum berichten von kaum nennenswerten Vorteilen. Viele Anwälte interessieren sich natürlich dafür, dass ihr Portal-Profil bei Suchmaschinenabfragen möglichst weit oben in den Suchergebnissen angezeigt wird.“

Auf Portalen vertreten, und die Website offline?

Wer sich auf einem solchen Portal präsentiert, mag denken, dass er sich dann vielleicht die Internetseite der Kanzlei sparen kann. „Ein falscher Ansatz, denn ein solches Profil kann eine Website niemals ersetzen“, sagt Prior. „Ist ein Anwalt aber auf einem Portal vertreten, sollte er dies auch aktiv für das Anwaltsmarketing nutzen. Veröffentlicht er dort beispielsweise Fachbeiträge, werden die Artikel auch in Suchergebnissen angezeigt, was für ihn einen weiteren konkreten Vorteil bedeutet.“ Aber wer sich auf diesem Weg um Mandate bemüht, sieht sich später auch Bewertungen gegenüber. Und die müssen eben nicht immer gut ausfallen.

Hinweis
Zufrieden oder nicht? Das digitale Zeitalter hat den Menschen eine pausenlose Ranglisten-  und Wertungskultur übergestülpt. Ob Ärzte, Restaurants Hotels usw.: Für viele Dienstleister und Freiberufler hängt viel an dem „erhobenen Daumen“, kleinen Lobreden oder Rezensionen im Netz, die Empfehlungsschreiben gleichkommen. Dass Bewertungen mitunter auch bezahlt werden (vgl. OLG Frankfurt, Beschl. v. 22.02.2019, Az. 6 W 9/19) bzw. manipuliert sein können, ist ein weiteres Problemfeld, mit dem sich jetzt auch das Bundeskartellamt beschäftigt.

 

Wie sich die Anwaltsportale entwickeln, beobachtet auch Rechtsanwalt Christian Solmecke, spezialisiert auf die Beratung der Internet- sowie IT-Branche. Im Interview erklärt er, wie Anwälte mit negativen Bewertungen umgehen können.

Kommt den Anwaltsportalen zwischenzeitlich eine Schlüsselfunktion zu, da immer mehr Menschen ihre Anwaltssuche zuerst über solche Internetangebote beginnen?

S: Ich persönlich glaube, dass die Bedeutung dieser Portale von vielen Kollegen überschätzt wird. Wir messen sehr genau, wie viele Mandanten uns die Portale bringen. In der Summe lohnt sich das zwar im Vergleich zu den Buchungsgebühren. Verglichen mit dem, was über unsere eigene Internetseite kommt, ist der Traffic der Portale kaum erwähnenswert.

Auf Portalen vertreten zu sein heißt nicht, sein Profil dort auch aktiv zu pflegen. Ist oft der Aspekt entscheidend, als Anwalt dort zu erscheinen wie in einem Branchenbuch? Oder nutzen Anwälte solche Tools routinierter und gezielter für die Selbstvermarktung und um neue Mandate zu akquirieren?

S: In erster Linie wollen die Kollegen dort präsent sein, um auch bei Google gefunden zu werden. Das ist der Vorteil dieser Portale: sie ranken oft gut in den Suchmaschinen und sind hervorragend auffindbar. Andererseits stehen die Anwälte dort auch in Konkurrenz zueinander, so dass der Gesamt-Traffic durch die Anzahl aller vorhandenen Anwälte geteilt werden muss. Derzeit nutzen die meisten Kollegen solche Onlineportale eher als die Gelben Seiten im Internet. Die Mandatsanfragen werden dann per E-Mail direkt in die Kanzlei geleitet und von dort aus weiter bearbeitet.

Die meisten Portale sehen noch keine Bearbeitung über das Portal selbst vor; das ist allerdings ein Trend, der kommen kann und bei dem die Portale dann auch einen echten Mehrwert bieten werden. Ich selbst betreibe die cloudbasierte Kanzleimanagement-Software Legalvisio. Dort bekommen wir regelmäßig Anfragen solcher Portale, die unsere Software nutzen wollen, um das Portal selbst zu einem Anwaltscockpit auszubauen. Diesbezüglich führen wir gerade viele Gespräche und ich bin mir sicher, dass hier in Zukunft noch mehr kommen wird.

Negative Bewertungen können schnell zu einem Problem für den Anwalt werden. Wenn Profilbesucher flüchtig über Sternen-Anzahl und Kommentare scrollen, können sie kaum überblicken, ob negative Bewertungen auch zu Recht erfolgten. Eine Gefahr speziell für die Juristenzunft?

S: Tatsächlich ist es so, dass eher die unzufriedenen Mandanten eine Bewertung abgeben als die zufriedenen. Umso wichtiger ist es, dass man als Anwalt diesem Trend entgegenwirkt und alle Mandanten bittet, eine entsprechende Bewertung im Internet zu hinterlassen. Kümmert man sich nicht aktiv darum, dass Bewertungen abgegeben werden, werden negative Bewertungen schnell überhand nehmen. Auf der anderen Seite wundere ich mich auch über Kollegen, die ausschließlich die volle Punktzahl bekommen. Das halte ich auch schon wieder für unseriös.

Wie können Anwälte individuell auf negative Reaktionen reagieren? Sind es Kritikpunkte wie Erreichbarkeit oder Terminsvergabe, mag das noch leicht sein. Aber schließlich kann ein Anwalt nicht öffentlich auf den konkreten Mandatsinhalt zu sprechen kommen, wenn sich die negative Bewertung hierauf bezieht. Und auflösen wollen Anwälte das Profil nun auch nicht, da sie viel Zeit investiert haben. 

S: Ganz wichtig ist es, auf schlechte Bewertungen immer einzugehen, ohne das Mandatsgeheimnis zu verletzen. Das ist teilweise ein schmaler Grat, der jedoch gegangen werden muss. Wird aus der schlechten Bewertung klar, um welchen Mandanten es sich handelt, sollte auch ein konstruktives Gespräch mit diesem geführt werden. Manchmal sind Mandanten auch bereit, die schlechten Bewertungen zu ändern, wenn man sich als Anwalt kulant zeigt. In vielen Fällen sind Bewertungen auch einfach falsch, hier würde ich nicht lange zögern und rechtlich dagegen vorgehen.

Dieser Beitrag wird zur Verfügung gestellt von: ReNoSmart, die Online-Bibliothek für Kanzlei- und Notariatsmitarbeiter

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