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Warum ich mich immer wieder für eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten entscheiden würde!

Warum ich mich immer wieder für eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten entscheiden würde!

Hallo! Ich bin Michaela, 21 Jahre alt und Auszubildende zur Rechtsanwaltsfachangestellten, derzeit im 2. Lehrjahr.

Ich möchte Euch gerne einmal die andere Perspektive, also die Perspektive von „unten nach oben“, die Perspektive des Azubis auf den Ausbildungsberuf mit dem schönen Namen „Rechtsanwaltsfachangestellte“ aufzeigen. Ein Anwalt hat einmal zu mir gesagt, „früher hieß das noch Rechtsanwaltsgehilfin, da waren Sie die Hilfen des Rechtsanwalts, die HILFE!“

Hilfe – die Gehilfin! Sie war früher verschrien als Tippse, aber dieses althergebrachte Bild ist schon lange überholt. Die Anforderungen haben sich – auch im Zuge der Digitalisierung – geändert:

Die ReFa oder ReNo ist Assistentin mit hohen Fachkenntnissen!

Das sehe ich jetzt schon in den ganzen Herausforderungen, die mir bislang während meiner Ausbildungszeit gestellt wurden und auch noch gestellt werden. Die Meilensteine, die ich später stolz in meinen Lebenslauf einfügen werde, kommen zwar noch (Abschlussprüfung, Studienabschluss zum Rechtsfachwirt oder Ähnliches)! Aber schon heute weiß ich, dass ich richtig entschieden habe: Und deshalb möchte ich in diesen Blog-Beiträgen meine Erfahrungen und Gedanken aus der Welt eines Azubis mit euch teilen. Ich möchte über Dinge schreiben, die ich interessant genug finde, um sie mit Euch zu teilen, und ich möchte mit Euch interagieren.

Wie ich zu dieser Ausbildung gekommen bin? Ein eher ungewöhnlicher Weg: Ich wollte zunächst Anwältin werden, also Jura studieren und habe, um in diesen Beruf „hineinzuschnuppern“, in meiner jetzigen Ausbildungskanzlei ein Praktikum begonnen. Das Arbeitsfeld und der Umgang im Büro, insbesondere die Teamarbeit haben mich dazu gebracht, mich zur Ausbildung zu entscheiden. Und hierüber bin ich ziemlich froh, denn ich habe mich gegen das unendliche und alleinige „Versauern“ im eigenen Büro entschieden (das schreibe ich mit einem Augenzwinkern).

Wir ReFa’s und ReNo‘s werden überall händeringend gesucht, aber warum?

Ist das Berufsbild einer Rechtsanwaltsfachangestellten wirklich so unattraktiv, wie es auf den ersten Blick scheint? Natürlich könnte man meinen, so ein Bürojob in einer Kanzlei, in der sich die Akten häufen und die Gesetzesbücher verstauben, ist so ziemlich das Trockenste der Welt. Aber ist das wirklich so?

Während der Anwalt an einem Fall brütet, eine Vielzahl von Kommentaren liest um die richtige Rechtsinterpretation zu Gunsten seines Mandanten zu finden, beschäftige ich mich in der gleichen Zeit mit einer Vielzahl von Akten verschiedener Rechtsanwälte und verschiedener Rechtsgebiete. Ich weiß über jede Akte und jeden Mandanten Bescheid, und zwar genau so viel, wie ich muss. Genau so viel, wie es noch interessant ist und nicht „trocken“ wird. Ich stecke meine Nase also überall rein und schnappe dabei das Interessanteste, Nützlichste und Wesentlichste auf.

So sollte man (als ReFa oder ReNo) auch den Umgang mit den Gesetzen betrachten. Wo wird man besser darauf aufmerksam gemacht, welche Rechte ein jedes Individuum besitzt, als in der Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten? Ja gut, vielleicht im Jura Studium, aber um die grundlegenden Rechte und Wesenszüge unserer Rechtsordnung zu kennen und verstehen zu können muss ich bei weitem nicht Jura studiert haben. Ich möchte mich ja nicht in einzelne Sätze eines Absatzes eines Paragraphen hineinsteigern und ausloten, auf wie viele Art und Weisen man jenes Wort nun auslegen könnte. Nein, ich möchte mein Rechtsbewusstsein stärken (auch: das Bauchgefühl!), ich möchte wissen, warum unser Rechtsstaat so cool ist und was ich als Verbraucher für übergeordnete Privilegien habe (z.B. im Vergleich zum Unternehmer, denn bei ihm kann z.B. Stillschweigen auch eine Art der Zustimmung sein, außer im Verbrauchsgüterkauf!).

Und das ist doch, wie das Leben funktioniert. Menschen streiten und versöhnen sich. Sobald ich aber mein Recht (oder Unrecht) kenne, gehe ich mit einer komplett anderen Einstellung, mit einem anderen Bewusstsein für meine Position an Herausforderungen im Alltag heran. Seine eigenen Rechte zu kennen, sich damit zu befassen und dieses Wissen dann noch an andere Leute weiterzugeben, ist so ziemlich das „Untrockenste“, was ich mir vorstellen kann.

Auch habe ich einen Zugang zu der „stilistisch ausgeklügelten und strukturierten Sprache“ (alias „Beamten-Deutsch“) gefunden. Gelernt habe ich sie aber erst in meiner Ausbildung, und zwar durch das Verfassen von Briefen an Mandanten, das Gericht, Versicherungen und an so ziemlich alle anderen Adressaten. Ich kann also praktisch beides. Ich kann in dem einen Moment „total cool und jugendlich daher quatschen“ und im anderen Moment super seriös Sachverhalte erfassen und darlegen und mich artikulieren, als wäre ich geschätzte 5 Jahre älter. Und Ihr könnt Euch sicher vorstellen, das nutze ich so oft und das ist eines der Dinge, die ich so toll finde!

Das A und O ist also, die jungen Leute auf diesen Job aufmerksam zu machen und ihn richtig zu bewerben.

Denn eine der wirksamsten Werbeformen ist die Mundpropaganda. Solltet Ihr jetzt in diesem Zeitpunkt also jemanden ausbilden (wollen), dann zeigt ihm doch auch, wie cool sein Job sein kann. Denn dann habt Ihr nicht nur einen gut gelaunten, arbeitswilligen, interessierten Azubi, sondern potenziell auch gute Mundpropaganda für den Beruf und die Kanzlei. Ihr glaubt ja gar nicht (oder wisst Ihr es sogar?), was alles so in der Schule so erzählt wird und wer lieber von heute auf morgen seinen Ausbildungsplatz wechseln oder aufgeben würde, wenn er es könnte.

Gute Werbung starte meistens schon in den eigenen Reihen, dazu aber gerne mehr in meinem nächsten Beitrag….

Ich hoffe Ihr hattet so viel Spaß beim Lesen, wie ich beim Schreiben und freue mich auf Eure Kommentare, Anregungen und Verbesserungsvorschläge!

Eure Michaela

 

Nächster Beitrag: Wie man seinen Azubi richtig fordert und mit Lerninhalten fördert, mit steigendem Spaßlevel!

Dieser Beitrag wird zur Verfügung gestellt von: ReNoSmart, die Online-Bibliothek für Kanzlei- und Notariatsmitarbeiter

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