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Plus im Geldbeutel – Minus im Gespräch? Wenn Kanzleimitarbeiter mehr Geld verlangen

Plus im Geldbeutel – Minus im Gespräch? Wenn Kanzleimitarbeiter mehr Geld verlangen
©Thomas Reimer, stock.adobe.com

Im Büro, der Berufsschule oder in sozialen Netzwerken: Das Dauerthema Gehalt in den Rechtsberufen garantiert lebhafte Diskussionen. Immer. Häufig bleibt es dann auch beim Diskutieren, denn Gehaltsverhandlungen entpuppen sich in der Praxis als mächtige Klippe.

Dieser Beitrag gibt ein paar konkrete Empfehlungen, wie sich Mitarbeiter individuell vorbereiten können.

Daran hat man schon gedacht: Ein Blick auf den Kontoauszug, der ein ein wenig in die Höhe geklettertes Gehalt ausweist. Und damit meint ja niemand, dass aus den vier Ziffern vor dem Komma bitte fünf werden sollen.. Getrieben von der Unzufriedenheit mit den Fachkräfte-Salären in Anwaltskanzleien, machen sich viele Mitarbeiter zwar häufig Luft, aber die Unzufriedenheit verpufft und oft bleibt alles beim Alten.

Ohne Argumente – Stillstand bis zur Rente

Die letzte Gehaltserhöhung liegt Jahre zurück, zwei Fortbildungen im Jahr, Fachliteratur selbst bezahlt, fleißig mitgeschraubt an der Kanzleiorganisation und flexibel auf Personalengpässe in der Kanzlei reagiert. Es gibt unzählige Gründe, warum man sich wünscht, dass das gezeigte Engagement sich auch in der Bezahlung niederschlägt. Das Gespräch mit dem Chef – ja, sollte, müsste, werde ich..  Es sind schon nachvollziehbare Hindernisse, warum man wie die Katze um den heißen (Gehalts-)Brei herumschleicht und nicht offensiv das Gespräch mit dem Chef sucht. Mögliche Faktoren sind:

– keine oder wenige Vergleichsmöglichkeiten

– wenig Bewusstsein dafür, was man leistet und wie intensiv man sich in den vergangenen Jahren engagiert hat

– Gefühl der rhetorischen Unterlegenheit

– eigene oder aus anderen Kanzleien bekannte Kollegen sind mit ihren Forderungen gescheitert,

– man fühlt sich einem Gehaltsgespräch schlicht nicht gewachsen, fürchtet vielleicht, dass sich das persönliche Verhältnis bzw. das Betriebsklima verschlechtert.

 

Wie man sich vorbereiten kann

Den letzten Punkt kann Rainer Schulz, erster Vorsitzender der RENO-Vereinigung Hamburg, gut nachvollziehen. Sein Verband will genau hier anzusetzen und etwas dagegen unternehmen. „Es liegt nun einmal nicht jedem: Aktiv ein Gespräch suchen und erklären, warum man mehr Geld bekommen will. Selbst wer hierfür gute Gründe hat, mag solche Situationen scheuen. Wir geben unseren Mitgliedern Hinweise und konkrete Hilfen für solche Gespräche und bieten Seminare zu Persönlichkeits- und Entwicklungsgesprächen an, mit denen sich Mitarbeiter vorbereiten können.“ Auch wenn dies häufig angenommen wird: Allein mit einem – Achtung, elektrisierendes Zauberwort – Tarifvertrag ist das Problem nicht gelöst. „Klar, so ein Vertrag macht natürlich individuelle Verhandlungen überflüssig, eine solche Tarifgebundenheit gibt es aber in den Rechtsberufen nur in seltenen Fällen“, sagt Schulz und ergänzt: „Ein Tarifvertrag kann jedoch eine Richtschnur sein, die mir hilft, meine Forderung darzustellen. Wenn ich weiß, wer ich bin und was ich kann, kann ich auch selbst mit konkreten Vorschlägen in das Gespräch gehen. Wer tiefstapelt und nur auf Anweisung arbeitet, verbaut sich selbst den Weg.

Hinweis

Nutzen Sie ein Gehaltsgespräch ebenso, um zu zeigen, dass Sie auch die Kanzlei im Blick haben. Einige Fachkräfte haben die Erfahrung gemacht, dass es aufmerksam registriert wird, wenn man nicht einfach „mehr fordert“, sondern diese zum einen begründen kann und zum anderen auch ein Auge darauf hat, was die wirtschaftliche Situation der Kanzlei insoweit zulässt. So koppeln Sie ein gesundes Bewusstsein für die eigene Leistung mit einem routinierten Blick auf das Büro. Klingt alles gut, aber was kann und sollte Grundlage für ein Gehaltsgespräch sein? „Realistisch ist eine deutliche, aber nachvollziehbare Erhöhung, über die dann verhandelt werden kann“, so Schulz. „Einigt man sich darunter, ist wenigstens ein Teilziel erreicht, Zielvereinbarungen und Feedback-Gespräche in kurzen Abständen sind hilfreich, um sich zu weiterzuentwickeln, was sich wiederum auch im Gehalt niederschlagen sollte. Kann der Chef nicht mehr Geld zahlen kann, sind z.B. Erhöhung der Urlaubstage oder eine (flexible) Gleitzeit ein sehr netter Nebeneffekt zu dem sicher niemand nein sagt.

 

Hinweis

Und Ihre Erfahrungen? Haben Sie in der Vergangenheit schon Gehaltsverhandlungen mit Chefs oder Büroleitern geführt, Gesprächsstrategien vorbereitet und gezielt argumentiert, warum Sie mehr Geld wünschen? Dann diskutieren Sie das Thema mit unseren ReNoSmart-Lesern auf unserer Facebook-Seite.  Geben Sie Ihre Erfahrungen weiter, was Ihrer Ansicht nach zum Erfolg führt und woran man rasch scheitert kann.

 

Der kleine Bonus von nebenan: Zusatzleistungen anstatt mehr Geld

Tatsache: Wer nicht direkt ein höheres Gehalt verlangen will, kann auch mittels zusätzlicher Leistungen sein Ziel erreichen. Ein aktueller Beitrag in der ZAP – Zeitschrift für die Anwaltspraxis gibt Ihnen ein paar Tipps dazu. Überlegen Sie sich einmal in einer ruhigen Stunde, was individuell in ihrer Situation eine finanzielle Erleichterung verspricht. Hier bieten sich oft zahlreiche Möglichkeiten, die ggf. bezahlt oder bezuschusst werden können:

 

– Fachliteratur und digitale Abonnements für Datenbanken und Bibliotheken

– Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr, BahnCard 25/50

– Digitale und Print-Abonnements von Zeitungen/Fachzeitschriften

– private Altersvorsorge   

– Gutscheine, Mittagessen

– zusätzliche Urlaubstage, Bildungsurlaub über das gesetzliche Maß hinaus.

– Kinderbetreuung

 

Hinweis

In der ReNoSmart-Bibliothek finden Sie Hinweise und Anregungen im Band Personalmanagement für Anwaltskanzleien Mitarbeitergewinnung, -bindung und -führung (u.a. Jahresmitarbeitergespräch)

Dieser Beitrag wird zur Verfügung gestellt von: ReNoSmart, die Online-Bibliothek für Kanzlei- und Notariatsmitarbeiter

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