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Only a „wisch“ away: Diese Englisch-Hilfen unterstützen Kanzleimitarbeiter

Only a „wisch“ away: Diese Englisch-Hilfen unterstützen Kanzleimitarbeiter

Es hat lange gedauert, bis Englisch für ReFa-Azubis auch auf dem Lehrplan in der Berufsschule auftauchte. Lernhilfen und mächtige Tools gibt es natürlich auch im Internet. Ein wenig über das Display wischen, und schon sind sie da: kluge Tutorials, Übersetzer, Vokabeltrainer und Lückenfülltexte. In diesem Beitrag lernen Sie eine Menge von ihnen kennen und Englischdozent Patrick Mustu hat im Interview jede Menge Tipps mitgebracht.

Auslandspraktika während der Berufsausbildung sind eine beliebte Sache geworden. Angehende Rechtsanwaltsfachangestellte nutzen das längst auch. Sich ein paar Wochen in einer Kanzlei im EU-Ausland umsehen, Gesetze und Verfahrensabläufe eines Nachbarstaates kennenlernen und wie die Anwaltsbüros dort aufgestellt sind. Von den 969 Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten, die 2017 ihre Ausbildung beendeten, haben 35 solch ein Praktikum absolviert, was einer Quote von 3,61% entspricht. Man kann sagen: noch ausbaufähig.

Patrick Mustu ist Rechtsanwalt und langjähriger Englisch-Trainer, der sich auf das  Kanzleipersonal spezialisiert hat. Auslandspraktika hält er für eine gute Sache, aber es gibt viele hervorragende und kostenlose Hilfen, um auch daheim erfolgreich zu lernen. In diesem Jahr hat Mustu mit seinen Englisch-Webinaren für ReNo-Azubis und Kanzleimitarbeiter begonnen, die er in Kooperation mit wwwalles-für-renos.de sogar kostenlos anbietet für alle Nutzer von ReNoSmart, die Abonnenten des ReNo Newsletters „Theoretisch kann ich praktisch alles! und für alle Mitglieder der ReNo Verbände.

Wie sich Fachkräfte darüber hinaus gute Englischkenntnisse aneignen können, erklärt er im Interview.

Sie haben viele Jahre in kleinen Gruppen Englischkurse für Rechtsanwaltsfachangestellte und Kanzleimitarbeiter durchgeführt. Welches berufsspezifische Englisch fragen die Teilnehmer hier nach?

M: Grundsätzlich kann man sagen, dass das Lesen und Schreiben einfacher fällt als das Sprechen. Das liegt an den fehlenden Möglichkeiten, Englisch regelmäßig aktiv zu sprechen. Beim Lesen und Schreiben hat man Zeit, kann sich Gedanken machen, recherchieren etc. Besonders relevant sind natürlich die kanzleibezogenen Fragestellungen, die im Rahmen „normaler“ Englischkurse nicht abgedeckt werden. Denn neben dem allgemeinen Büroenglisch, zu dem Telefonieren ebenso gehört wie E-Mails zu schreiben, treten die Besonderheiten der anwaltlichen und notariellen Praxis. Mandanten müssen betreut werden. Themen wie Vollmacht, Termine vereinbaren, Fristen, Prozesse, Vergleiche, Kosten und Vollstreckung kommen ins Spiel. Hinzu kommen die Rechtsgebiete, die bedient werden. Englische Diktate zu bewältigen wird auch immer öfter erwartet. Ein gewisses Maß an fachsprachlicher Kompetenz – die niemand aus der Schule mitbringt – ist erforderlich, um souverän aufzutreten und beim Mandanten einen professionellen Eindruck zu hinterlassen.

Englisch ist seit der 2015 novellierten Ausbildungsverordnung auch Bestandteil des Berufsschulunterrichts sowie – in kleinem Rahmen – der Abschlussprüfung. Berücksichtigen die Ausbilder in den Kanzleien das Thema Englisch jetzt stärker?

M: Das vermag ich nicht zu bestätigen. Der Englischanteil schwankt von Kanzlei zu Kanzlei und ist von jeher davon abhängig, wie hoch der Anteil internationaler Mandanten ist. Dass den Auszubildenden mehr zugetraut wird, weil Englisch in der ReNoPat steht, glaube ich nicht – und vielleicht sind Auszubildende auch froh, nicht ins kalte Wasser geworfen zu werden. Für die Berufsschulen ist das auch Neuland, und vielerorts sind sich die Lehrer nicht sicher, was sie genau unterrichten oder gar in der Prüfung abfragen sollen. Die juristische Fachsprache ist ein Bereich, in den sich auch ein voll ausgebildeter Englischlehrer erst einarbeiten muss. Ich denke, es werden einige Jahre vergehen, bis Erfahrungswerte vorliegen und ein gewisser Standard erreicht wird.

Viele arbeiten in Kanzleien, die weder international operieren noch im Wirtschaftsrecht beraten oder vertreten. Gerade dort aber kommen die Azubis schon während der Ausbildung mit englischer Konversation in Kontakt. Was empfehlen Sie denen, die diesen „kanzleibedingten“ Vorteil eben nicht haben?

M: Das Allerbeste ist natürlich ein Auslandsaufenthalt – in welcher Form auch immer. Das kann eine Sprachreise sein, ein Praktikum, ein Work-and-travel-Programm oder ein Homestay, also ein Gastfamilienaufenthalt. Oder einfach der Urlaub.

Da solche Auslandsaufenthalte häufig nicht machbar sind, steht an zweiter Stelle ein Sprachkurs im Inland.

Der sollte aber möglichst in Präsenzform stattfinden, denn Interaktion und die Sprache aktiv anzuwenden sind dabei ganz wichtig. Idealerweise in der Kanzlei und mit einem Trainer, der sich mit der Materie auskennt. Denn dann kann man den Unterricht an den Bedürfnissen und Anforderungen der Teilnehmer ausrichten.

Womit wir wieder beim lieben Thema Geld sind. 

M: Gibt es auf Arbeitgeberseite dafür kein Budget, hilft auch ein externer Sprachkurs, wobei hier gilt: teuer muss nicht gleich gut bedeuten. Es gibt keinen Grund, sich bei der Auswahl, die es gibt, auf die großen, bekannten Namen zu versteifen. Auch öffentliche Einrichtungen haben einiges zu bieten, und der Geldbeutel wird weniger strapaziert. An dritter Stelle ist das Internet zu nennen, das unzählige Möglichkeiten bietet. Und schließlich eine Reihe von Dingen, die auf der Hand liegen mögen, aber auch ihren Beitrag leisten können: englische Bücher, Zeitschriften und Artikel lesen, Nachrichten der BBC oder anderer Sender schauen oder hören. Nicht zu vergessen die populäre Streaming-Kultur: Neben digitalen Tonspuren auf den DVDs, gerne mit Untertiteln, kann man auch Netflix-Serien auf Englisch genießen.

Viele Azubis nutzen EU-Programme und machen Auslandspraktika in Kanzleien in Irland oder London. Eine gute Sache, auch wenn zeitlich sehr begrenzt?

M: Absolut. Ein Praktikum im Ausland ist immer eine Bereicherung, nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell und persönlich. Es motiviert ungemein, erweitert den Horizont und macht häufig richtig Spaß. Jeder noch so kurze Aufenthalt sorgt für einen Motivationsschub, der in die heimische Ausbildung hineinwirkt.

Welche Literatur und Lernmedien empfehlen Sie in den Rechtsberufen?

M: Einige wenige Lehrbücher haben Rechtsanwaltsfachangestellte als Zielgruppe definiert, z.B. „Legal Matters“ aus dem Cornelsen Verlag und „Legal Now!“ von Europa Lehrmittel. Wer tiefer zur juristischen Fachsprache vordringen will, wird mit den meisten Legal English-Büchern – von denen es in der Tat mittlerweile viele gibt – nicht glücklich werden. Denn diese haben meist die Juristen im Blick und fokussieren damit nicht auf den Sprachgebrauch, den Büroangestellte benötigen. Unter diesen gehört die „Englische Rechtssprache: Ein Studien- und Arbeitsbuch“ zu den leichter zu verdauenden.

Das schlaue Internet…

M: …bietet da natürlich unzählige Möglichkeiten. Das fängt bei Grammatikseiten wie die Englischhilfen und ego4u.de an, geht über Wörterbücher und Übersetzungshilfen wie LEO, dict.cc, Linguee und DeepL, und mündet in umfangreichen Lernmöglichkeiten wie beispielsweise dem Angebot der BBC. Einsprachige Wörterbücher helfen, bestimmte Begriffe besser zu verstehen und liefern Beispielsätze, die zudem unterstützen, etwas in den richtigen Zusammenhang einzuordnen und passende Präpositionen zu finden. Das Oxford Online Dictionary ist hier als Nonplusultra zu nennen. Rechtsbegriffe lassen sich besonders gut im Black’s Law Dictionary nachschlagen.

Was lässt sich auf YouTube aufstöbern?

M: Hier kann man alles Mögliche suchen und finden, trifft aber auch auf die unterschiedlichsten Akzente. Ein Beispiel einer verständlichen Sprecherin mit millionenfach angesehenen Lernvideos ist die Australierin Emma mit ihrem YouTube-Kanal mmmEnglish.

Welche Inhalte haben die kommenden Lektionen Ihrer künftigen Englisch-Webinare, die Sie seit Mai 2019 in Kooperation mit www.alles-für-ReNos.de und ReNoSmart anbieten? Und ist der Live-Austausch ein gutes Feedback für Sie, was nachgefragt wird bzw. im Büroalltag Probleme macht?

M: Wir haben insgesamt zwölf Webinare geplant, die einmal monatlich stattfinden. Die Reihe wird bis März 2020 laufen. Nachdem ich mit einigen Basics gestartet habe, haben wir uns mit dem Internetauftritt einer Kanzlei und dem Erstkontakt mit potenziellen Mandanten beschäftigt. Die folgenden Themen drehen sich unter anderem um den Besuch von Mandanten, der Mandatsabwicklung, Gebühren und Vergütung und dem Zivilprozess. Zwangsvollstreckung, Arbeits- und Familienrecht folgen auch noch. Bei Webinaren ist der Grad der Interaktion ein anderer: mit den Teilnehmern tauscht man sich über das Chatfenster aus. Durch die begrenzte Zeit und die fehlende Sprechmöglichkeit spreche nur ich und zeige Folien. Nachfragen werden dann im Chat gestellt, und ich lasse auch hin und wieder Fragen einfließen, damit das Ganze kein Monolog bleibt. Sehr interessant ist dabei der sofortige Praxisabgleich mit dem Alltag der ReNos. Die bringen ja direkt ein, was bei ihnen verwendet wird und ich kann darauf eingehen. 

Hinweis

Das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hat auch eine englischsprachige Seite, auf der Sie viele aktuelle Artikel lesen können, um Ihr Englisch trainieren.

 

Dieser Beitrag wird zur Verfügung gestellt von: ReNoSmart, die Online-Bibliothek für Kanzlei- und Notariatsmitarbeiter

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