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Homeoffice in der Anwaltskanzlei

Homeoffice in der Anwaltskanzlei

Die aktuelle Corona-Krise stellte und stellt auch Rechtsanwaltskanzleien vor besondere Herausforderungen. Da insb. die Anwaltschaft „nicht gerade der Vorreiter der Digitalisierung“ ist, wie man bereits bei der Implementierung des beA – des besonderen elektronischen Anwaltspostfachs – sehen konnte, sind viele Kanzleien erst in Bezug auf die Pandemie wach geworden: Was ist, wenn die Praxis „infiziert“ ist oder die Kanzlei (noch immer sind nicht in allen Bundesländern die Rechtsanwälte als systemrelevant eingestuft) aufgrund behördlicher Anweisung geschlossen werden muss? – Das Geschäft muss trotzdem weiterlaufen! Fristen verlängern sich nicht automatisch!

Corona-Krise: Beschleunigung notwendiger Innovationen

Was folgt? Prozesse werden auf den Prüfstand gestellt und notwendige Innovationen beschleunigt.

Das, was schon in vielen kaufmännischen Berufen – etwa zur Unterstützung berufstätiger Eltern oder Dritte pflegender Mitarbeiter – üblich ist, findet nunmehr (mehr oder weniger gezwungenermaßen) Einzug in Rechtsanwaltskanzleien: das Homeoffice!

Die Krise offenbart also auch Chancen: In der Aufrechterhaltung der täglichen Arbeit liegen hier zugleich Chancen für die Flexibilität der Mitarbeiter und den weiteren Schritt in die digitale Arbeitswelt.

Abgrenzung

Zunächst gilt es abzugrenzen: Wann spricht man eigentlich von „mobiler Tätigkeit“, wann vom „Homeoffice“?

Mobile Arbeit

Bei „mobiler Arbeit“ steht es dem Arbeitnehmer grds. frei, von welchem Ort er seine Tätigkeit ausübt – z.B. in einem Park oder einem Café; er hat also freie Wahl bei seinem Arbeitsplatz, was weitreichende Flexibilität mit sich bringt. Arbeitsschutzvorschriften gelten sehr eingeschränkt, da es an einer Vereinbarung über den konkreten Arbeitsplatz fehlt. Das mobile Arbeiten bezieht sich im Allgemeinen und regelmäßig auf nur einen jeweiligen Arbeitsauftrag (z.B. bei Dienstreisen) und nicht auf die gesamte Anstellung.

Homeoffice

Arbeiten im „Homeoffice“ bedeutet hingegen, dass neben oder anstelle des Arbeitsplatzes in der Kanzlei der Mitarbeiter auch an einem anderen festen Arbeitsplatz außerhalb der Kanzlei arbeiten darf, in der Regel ist das ein fest installierter Arbeitsplatz zu Hause. Der Arbeitnehmer muss an diesem Arbeitsplatz erreichbar sein und arbeiten – er ist also nicht frei in der Wahl seines nicht betrieblichen Arbeitsplatzes. Natürlich ist er auch nicht frei in der Gestaltung seiner Arbeitszeit; diese und die jeweilige Erreichbarkeit sind zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vereinbaren.

Der Arbeitgeber stellt grds. die Ausrüstung wie Computer und Telefonie und was der Arbeitnehmer sonst noch für die Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit im Homeoffice benötigt zur Verfügung (was dann aber nicht zwingend gilt, wenn der Chef das Homeoffice nur „freundlicherweise“ erlaubt, weil man z.B. einen Betreuungsengpass hat); darüber hinaus hat er dafür zu sorgen, dass der Homeoffice-Arbeitsplatz den gleichen gesetzlichen Anforderungen („Arbeitsschutz“, Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeiten, Anforderungen an den Datenschutz sowie die Verschwiegenheit pp.) genügt wie der betriebliche Arbeitsplatz.

Homeoffice: Vor- und Nachteile

Aber was sind die Vor- und Nachteile des Homeoffice?

Ein Homeoffice bietet viele Vorteile, wie die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Kostenersparnis (z.B. Wegfall der Anfahrtswege zum Betrieb, aber auch der Wegfall des Bereithaltens eines betrieblichen Arbeitsplatzes, weniger Krankmeldungen, Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit).

Es sind aber auch erwähnenswerte Nachteile zu beachten: Die Arbeit im Homeoffice führt in der Regel zur Vermischung von Berufs- und Privatleben und (oft daraus folgend) auch dazu, dass Arbeitsvorgaben nicht eingehalten, sondern Arbeiten in das Wochenende geschoben werden. Zudem ist es gerade in Branchen, in denen das Homeoffice noch keine Anerkennung gefunden hat, so, dass sich der Mitarbeiter im Homeoffice selbst Arbeitsdruck auferlegt und (nicht angezeigte) Überstunden macht, um etwaigen Vorurteilen gegenüber dem Homeoffice vorzubeugen.

Da die Beziehung zu und der direkte Austausch mit den Arbeitskollegen fehlt, sinkt oft das „Wir-Gefühl“, was letztlich das Teamverhalten einschränkt; auch findet – da persönlicher Kontakt fehlt – seltener ein Austausch von Know-how statt.

Gerade beim Arbeiten von zu Hause besteht darüber hinaus eine große Gefahr der Ablenkung, die zur Nichteinhaltung der Arbeitszeiten (etwa durch die Anwesenheit von anderen Personen, z.B. Kindern, ist eine konzentrierte und durchgehende Arbeit nicht immer gewährleistet) führen kann, was der Arbeitgeber nicht wirklich kontrollieren kann. Bereits der (evtl. aus der Erfahrung heraus verständliche) Argwohn des Arbeitgebers kann das Verhältnis belasten und eine bestehende Loyalität zerstören.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich festhalten: Das Homeoffice ist eine gute Alternative zum üblichen Kanzleialltag vor Ort; die Herausforderungen der Corona-Krise haben gezeigt, dass es geht. Um die Nachteile des Homeoffice einzugrenzen, bieten sich Kombinationen an (z.B. zwei Tage in der Woche vor Ort, ein Tag im Homeoffice): Teamgefühl, Vertrauen und Know-how-Austausch bleiben erhalten und dem Mitarbeiter wird eine gewisse Flexibilität zu gebilligt.

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