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Erfolg³ – wie die Ausbildung in Kanzleien gelingt

Erfolg³ – wie die Ausbildung in Kanzleien gelingt
©By nastya_gepp; Source pixabay

Es ist wieder soweit: Neue ReFa-Azubis drängeln in die Klassenräume der Berufsschulen und -kollegs und starten in das erste Lehrjahr. Zwar entscheiden sich immer weniger junge Menschen für die Ausbildung bei den Robenträgern, aber diejenigen kämpfen sich tapfer mit Neugier, Freude und Eigenmotivation durch drei spannende Jahre. Damit die Lehrjahre nicht zu Leerjahren werden, haben wir Praxistipps in acht Punkten gebündelt. Es geht um gute Startbedingungen, finanzielle Hilfen und wie überlegt Qualifikationen vermittelt werden. Damit die Ampel auf der Azubi-Route stets grün zeigt.

1. Probeweise unterwegs – was in den ersten Monaten schiefgehen kann

§ 20 BBiG regelt die Probezeit in der Ausbildung. Sie muss mindestens einen Monat betragen und darf höchstens vier Monate dauern. Schauen Sie einmal, welche Probezeit in Ihrem Ausbildungsvertrag steht. Nutzen Sie diese Zeitspanne zur Orientierung, lernen Sie das Büro und seine individuellen Abläufe kennen und schauen Sie den Kollegen von Beginn an aufmerksam über die Schulter. Hören Sie sich in der Berufsschule um, wie es die anderen Azubis in ihrer Kanzlei halten. Die Ausbildungsorganisation in Anwaltsbüros ist eine individuelle Sache, jedoch schlüpfen Sie in eine gute Ausgangsposition, wenn Sie möglichst früh

  • dauerhaft einen konkreten Ansprechpartner haben,
  • in der Berufsschule rasch Kontakte zu Mitschülern und Lehrern knüpfen,
  • sich im Büro vernetzen, insbesondere mit Azubis aus höheren Lehrstufen,
  • sich möglichst über alle Tagesabläufe aussagekräftige Eindrücke verschaffen und
  • nach einem Monat ein grobes Bild im Kopf haben, was Sie praktisch und theoretisch in den drei Jahren erwartet. 


Hinweis
Viele Tipps, Hilfen und Anregungen finden Sie in unserem Azubi-Guide, der auch in der ReNoSmart-Bibliothek steckt. Der pralle Ratgeber widmet sich Berufsschule, Finanzen, Berichtsheft, Schwierigkeiten in der Ausbildung und anderen Themen und kann als Buch beim ZAP Verlag für 15 € bestellt werden

2. Diese Falten in der Stirn… – was lerne ich eigentlich wozu?

Die ReFa- oder ReNo-Ausbildung ist anspruchsvoll und verspricht gute Perspektiven, denn der Arbeitsmarkt für qualifizierte Kanzleikräfte kann ohne zu übertreiben als leergefegt bezeichnet werden. Allerdings hat sich das Anforderungsprofil, wie in vielen anderen Berufen auch, zuletzt signifikant gewandelt. Die digitale Ebene (beA, elektronischer Rechtsverkehr, Anwaltssoftware) durchdringt den gesamten Berufsalltag, Anwaltsmarketing und Mandatsakquise sind immer wichtiger und der routinierte Umgang mit Mandanten ist herausfordernder geworden, die eine schnelle, individuelle Beratung und Betreuung nachfragen.

Hinweis
Je früher Sie in juristische Fachliteratur eintauchen und Freundschaft mit Schachtelsätzen und Gesetzestexten schließen, desto solider wird Ihr Wissensfundament. Schauen Sie in Akten hinein, wann immer es möglich ist, und lassen Sie sich die Kanzleisoftware, den Aufbau von Korrespondenz und das junge beA erklären. Eine Mustermappe, in die anfangs durchaus unsortiert Vorlagen, Notizen und Materialien wandern können, fördert Ihr Verständnis. Ordnen Sie den Inhalt (und die häufige Verwirrung im Kopf..🙃) in ruhigen Minuten, in Pausen oder zum Tagesabschluss.

 

3. Mit der Kanzlei Strategien und Ziele festlegen

Stimmen Sie mit Ihrem Ausbilder frühzeitig ab, welche Ausbildungsziele in welchen Abständen in der Kanzlei erreicht werden sollen, wer mit Ihnen Klausuren nachbereitet und die Stoffvermittlung begleitet. So zeigen Sie nicht nur stets Interesse, sondern strukturieren Ihre Lernetappen aktiv und eigenverantwortlich mit. Sinnvoll sind überschaubare Ziele, die auch parallel aktuelle Stoffe aus dem Berufsschulunterricht ergänzen. Liegt ein Ausbildungsjahr hinter Ihnen, empfiehlt sich ein Gespräch über Leistungs- und Wissensstand. Nicht missverstehen: Das Ganze soll kaum in eine ständige Leistungskontrolle münden. Jedoch sollte der Ausbilder bei lückenhaftem Fachwissen schnell und unkompliziert in Sachen Ausbildungsstand nachjustieren können. Letztendlich profitieren Kanzleien von den kontinuierlich qualifizierten Nachwuchskräften, die ggf. auch übernommen werden.

Hinweis
Manche cleveren Azubis fragen ausgebildete Kollegen nach deren Zeugnis, wenn diese auch in der Kanzlei gelernt haben. So eröffnen sich Vergleichsmöglichkeiten, was in der Ausbildung vermittelt wurde. Hieran lässt sich mit der eigenen Lernbiographie anknüpfen.

 

4. Austausch in der digitalen Gemeinde

Auch auf Facebook haben sich einige Fachgruppen eingenistet, in denen Sie sich austauschen und informieren, sowie Probleme rund um den Ausbildungsstoff diskutieren können. Eine Auswahl:

 

Sofern Sie Mitglied in einem RENO Landesverband bzw. Ortsverein sind, bekommen Sie auch dort Unterstützung und können sich bei Schwierigkeiten und Orientierungsfragen beraten lassen.

 

5. Ich & mein Geldbeutel – so bessern Sie Ihre Kasse auf

Man kann sie meist kaum üppig nennen, die Ausbildungsvergütung. Da auch ReFa-Azubis oft mit wenig Geld auskommen müssen, lohnt ein Blick auf Fördertöpfe, die Sie anzapfen können. Einer davon ist die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB), die von der Agentur für Arbeit gezahlt und hier online beantragt werden kann. Ab dem 01. August 2019 gibt es höhere Zuschüsse und ob Sie die Beihilfe bekommen, können Sie mit dem BAB-Rechner prüfen.

 

6. Mächtig in die Breite – auf welche Kenntnisse Sie achten sollten

Drei Jahre täglich Akten suchen ist kaum das Ziel. Achten Sie von Beginn an darauf, dass Sie auch die Bandbreite der juristischen Tätigkeit aller Anwälte kennenlernen. Bieten Sie an, selbständig zu arbeiten. Das ist Azubis in Kanzleien zu Beginn kaum möglich, aber je zügiger und besser Sie eingearbeitet sind, desto schneller werden Sie Aufgaben oder zumindest Arbeitsschritte selbst erledigen können, auch wenn diese nachkontrolliert werden. Gute Ansätze sind auch: frühzeitig bei Gerichtsterminen und beim Mandantenkontakt im Empfangsbereich dabei sein, wiederkehrende Formulare, Frage- und Aufnahmebögen bearbeiten bzw. bei der Ausfüllung helfen und den Kollegen bei der Termins- und Fristenkontrolle über die Schulter schauen.

 

7. Kein Mut zur Lücke – was fehlt, wird angesprochen

DSKD! Defizite sind kein Drama. Häufig stellen Ausbilder fest, dass wichtige Fertigkeiten nicht wie notwendig vorhanden sind oder Lernschwierigkeiten bestehen. Das bedeutet schlicht: keinesfalls abwarten, sondern mit effektiven Lösungen gegensteuern. Ergänzende VHS-Kurse, ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), interne Schulungen oder auch eine psychologische Beratung: es gibt zahlreiche Ansätze, um individuellen Problemstellungen zu begegnen. Kanzleien, die ihre Azubis geschlossen im Team unterstützen, reduzieren nicht nur die Gefahr, dass der Azubi die Ausbildung abbricht, sondern signalisieren den jungen Berufsanfängern auch, dass man sie schätzt und im Blick hat.

 

8. Sand im (Ausbildungs)getriebe – wenn es im Büro schwierig wird

Jetzt ist das unangenehme Wörtchen gefallen: Ausbildungsabbruch. Sie stellen in vielen Berufen ein Problem dar, die Rechtsanwaltsfachangestellten sind keine Ausnahme. Die angespannte Lage beim qualifizierten Nachwuchs hat hier aber noch einmal einschneidendere Folgen. Wo ohnehin wenig Auszubildende am Schreibtisch sitzen, macht sich jeder Abbruch noch empfindlicher bemerkbar. Auch die Anwaltskammern haben das Problem erkannt, arbeiten präventiv oder konzipieren Merkblätter für ausbildende Kanzleien, wie z.B. die Rechtsanwaltskammer Hamburg. „Abbrüche sind für Ausbilder und Auszubildende gleichermaßen unglücklich“, sagt Ronja Tietje, Ausbildungsberaterin bei der Rechtsanwaltskammer Bremen und Mitautorin der Leitfäden Personalmanagement für Anwaltskanzleien (Deutscher Anwaltverlag) und Ausbilder-Leitfaden (ZAP Verlag). „Beide Seiten haben bis dahin in der Regel viel investiert, aber irgendwann hat es angefangen zu haken. Aus meiner Erfahrung beobachte ich: in der Regel gibt ein kleiner Stein den Anstoß. Es entstand ein Problem oder eine Meinungsverschiedenheit, die nicht aufgelöst wurden. Eine oder beide Seiten fühlen sich missverstanden, lassen die Dinge aber laufen, anstatt das ‚ungute Gefühl‘ anzusprechen. So kommt der Stein ins Rollen, bis er nicht mehr zu stoppen ist, die Fronten festgefahren sind und der Konflikt nicht mehr zu lösen ist.“

Hinweis
Brechen Sie bei Schwierigkeiten keinesfalls die Ausbildung vorschnell ab. Nutzen Sie die vielfältigen Unterstützungsangebote, wie z.B. 

denn mit Hilfe qualifizierter Beratung lassen sich gemeinsam Lösungswege finden, so dass die Ausbildung fortgesetzt werden kann. 

Dieser Beitrag wird zur Verfügung gestellt von: ReNoSmart, die Online-Bibliothek für Kanzlei- und Notariatsmitarbeiter

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