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Die ReNo/ReFa – nicht nur ein „Zuarbeiter“, sondern Chefentlastung!

Die ReNo/ReFa – nicht nur ein „Zuarbeiter“, sondern Chefentlastung!
© Luca Upper / Unsplash

Das Berufsbild der ReNo (genauso ReFa) hat in der Gesellschaft – insbesondere aber auch unter den Anwälten selbst – einen niedrigen Stellenwert, der den Fähigkeiten und den Ausbildungsinhalten nicht gerecht wird. Oft alles „billige Tippse“ degradiert, üben viele Angestellte ihre täglichen Arbeiten ohne Wertschätzung, dafür aber mit Frust, aus – oder wechseln in andere Bereiche, z.B. zu Krankenkassen oder große Firmen mit Rechtsabteilung, die einem oft nicht nur mehr Wertschätzung, sondern auch ein besseres Gehalt versprechen. Hat die Unzufriedenheit überhandgenommen und wird vielleicht über einen Wechsel nachgedacht, so muss man sich allerdings auch die Frage stellen, ob man letztlich die vielfältigen Arbeiten und die damit verbundene Abwechslung in einer Anwaltskanzlei aufgeben möchte. Oft ist das gar nicht nötig, denn Eigeninitiative kann dazu führen, den eigenen Stellen- und Marktwert zu verbessern und letztlich auch glücklich im Job zu werden.

 

Aber auch unter einem anderen Gesichtspunkt ist es notwendig, sich weiter zu entwickeln und zu einer echten Chefentlastung zu werden:

Das Bild der ReNo/ReFa wandelt sich immer weiter:

In vielen Kanzleien findet die digitale Spracherkennnung Einzug, die reine Texterfassung fällt weg. Zwar muss korrigiert und formatiert werden, aber es ist ratsam, sich für weitere Arbeitsfelder zu öffnen, um den eigenen Arbeitsplatz zu behaupten.

 

In einer Vielzahl von Kanzleien ist es heute noch üblich, dass die Anwälte Arbeiten verfügen oder abdiktieren, die aber in gleicher Qualität bereits von der oder dem Fachangestellten vorbereitet werden können. Die Anwälte arbeiten diese Dinge vielleicht auch nur deshalb ab, weil sie nicht wissen, was sie ihren Fachangestellten zutrauen können. Vielleicht auch, weil diese Schriftstücke gar nicht durch Ihre Hände laufen. Deshalb ist es – wenn es bei Ihnen so läuft – an der Zeit, sich zu beweisen, vielleicht auch die Arbeitsstrukturen zu verändern.

 

Im Zeitalter der Digitalisierung ist es doch zunehmend leichter, sich selbst „zu bedienen“: Während in früheren Zeiten einmal am Tag Post in die Kanzlei eintrudelte, die gestempelt, sortiert und dem Anwalt zur Bearbeitung vorgelegt wurde, kommt heute eine Vielzahl der Schriftstücke via beA oder per E-Mail. Hier bietet sich oft die Möglichkeit, „zuzugreifen“.

 

Gehen entsprechende Schriftstücke bei Ihnen ein, sichten Sie diese und entscheiden Sie, ob sie diese (im Falle, dass Sie noch mit Papier arbeiten) dem Anwalt ohne weiteres vorlegen bzw. (falls nur noch digital gearbeitet wird) diesen Posteingang digital an den Anwalt verfügen oder ob Sie dieser entsprechenden Nachricht bereits einen Entwurf beifügen.

 

Der typische Verlauf eines Neumandates beispielsweise ist doch regelmäßig so, dass dieser dem Anwalt vorgelegt wird und dieser entscheidet, was zu tun ist. Er delegiert die Sache an das Sekretariat oder diktiert die Sache sogar ab. Sie als gelernte ReNo/ReFa sind aber selbständig in der Lage zu prüfen, ob es sich hier um ein standardisiertes Verfahren handelt, bei dem z.B. Fälligkeit und Verzug gut bestimmbar sind, können bei unbekannter Rechtsform der Partei(en) Registeranfragen starten und parallel ein anwaltliches Aufforderungsschreiben fertigen oder – sofern es gar keine Unklarheiten gibt – direkt einen Mahnbescheid und ein Mandatsbestätigungsschreiben an den Mandanten, gegebenenfalls noch eine Deckungsanfrage bei der Rechtsschutzversicherung fertigen.

 

Ihre Möglichkeiten sind aber weitaus größer:

Sie sind nach einem Blick in die (digitale) Akte in der Lage, Sachstands- und Mandantenanfragen zu beantworten, können Kostenfestsetzungsanträge und Kostenfestsetzungsbeschlüsse prüfen und die weiteren Schritte wie Zahlungsaufforderungen einleiten, Sie können sich selbständig um Formalien wie Klauselverfahren und Einleitung eines Kostenfestsetzungsverfahrens kümmern, die Zwangsvollstreckung betreiben und Folgeanträge einleiten und sind im Umgang mit dem RVG in der Regel sicherer als der Anwalt selbst.

 

Aber nicht nur die eingehende (digitale) Post bietet in der Regel einen Fundus an selbst zu übernehmenden Dingen, gerade auch die Wiedervorlagen:

Legen Sie die Wiedervorlagen unbesehen vor (oder verfügen Sie diese digital, ohne vorher selbst nachzusehen), wird der Anwalt z.B. eine Vielzahl von Akten in die Buchhaltung verfügen, um die Honorareingänge zu prüfen, wird er Sachstandsanfragen und Erinnerungen verfügen oder sogar abdiktieren. Arbeiten Sie die Wiedervorlagenliste selbständig ab, werden nur noch diejenigen Akten übrig bleiben, die der Anwalt wirklich selbst bearbeiten muss.

 

Die Chefentlastung kann auch schon bei der Telefonatsannahme beginnen: Häufig bitten die Mandanten um ein Gespräch mit dem Anwalt, bei dem es dann letztlich vielleicht nur um eine Änderung in den Stammdaten, die Neuausstellung einer Rechnung, um ein Erinnerungsschreiben oder um einen Anstoß für den Fortgang eines Verfahrens geht – von dem Sie ja gar nichts ahnen. Es wird aber – auf Wunsch des Mandanten -durchgestellt. Das muss nicht sein. Auch hier können Sie bereits entlastend tätig sein und Aufgaben „abgreifen“: Gewöhnen Sie sich an, den Mandanten nicht einfach durchzustellen, sondern fragen Sie direkt, ob Sie ihm weiterhelfen können und worum es geht. Eine Vielzahl von Telefonaten lässt sich so abfangen und Ihr Chef kann ohne Unterbrechung z.B. einen dringenden Schriftsatz diktieren.

 

Bereiten Sie selbständig eine Vielzahl von Sachen vor, die Sie sich zutrauen (oft mehr, als Sie denken, seien Sie mutig), sparen Sie unnötige Wege (und damit Zeit), zeigen Ihrem Chef, dass Sie mehr drauf haben, als nur seinen Anweisungen zu folgen, steigern damit Ihr Selbstbewusstsein und werden mit den selbständigen Aufgaben nicht nur zufrieden, sondern eine echte Chefentlastung, die auch bestimmt an Wertschätzung gewinnt. Warten Sie also nicht, bis Sie herausgefordert werden – fordern Sie sich selbst heraus!

 

  Dieser Beitrag wird zur Verfügung gestellt von: ReNoSmart, die Online-Bibliothek für Kanzlei- und Notariatsmitarbeiter  
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